Ja, es gibt sie natürlich auch im Wald – die komplett angebrochenen Tage. Tage, an denen nichts, aber auch wirklich gar nichts funktioniert.

Es fing schon mit dem Sauwetter an. Nichts gegen Wind und Kälte, aber bei dieser Wanderung im Königsforst hat es von der ersten bis zur letzten Minute durchgeregnet. Kein einziger Sonnenstrahl schaffte es durch diese dicke, graue Suppe am Himmel. Wir Fotografen kennen das: dieses miese „800-ASA-Licht“, wo man ständig auf die Uhr schaut und sich in der Mittagszeit fragt, warum der Tag sich anfühlt, als wäre schon verbraucht.

Mitten darin dann die nächste Überraschung: Mein nagelneuer, frisch geladener Kamera-Akku hatte schlicht keine Lust zu arbeiten. Alles Gefummel im Regen half nichts – die Kamera blieb tot. Es blieb also nur noch das Handy. Für die nächsten Stunden sollte es das Fotografieren übernehmen. Na klar, ich war genervt. Auch, weil ich mir das selbst zuzuschreiben hatte. Ein zweiter Akku hätte das Problem gelöst. Einfach mal vergessen. Ein klarer und eigentlich leicht vermeidbarer Anfängerfehler! Fotografie im Wald bei schlechtem Wetter hat eben ihre ganz eigenen Regeln – und an diesem Tag lief einfach alles dagegen.

 

Das (einzige) Foto dieses restlos verregneten Tages im Wald. Foto © Bernd Löber
Meine Gedanken kreisten nur noch um drei Dinge:

Wie bekomme ich die Kamera wieder ans Laufen? Wird es hier heute überhaupt noch hell? Und wie wasserdicht ist mein Rucksack eigentlich wirklich?

Der Weg selbst war eigentlich klar. Sauber geplant, vertraut, mein „Heimwald“. Normalerweise werfe ich zwischendurch immer mal einen Blick aufs Handy, weil ich im Wald gerne die Orientierung verliere. An diesem Tag hatte ich mir das aber bewusst verboten. Der Akku musste schließlich für Fotos reichen.

Irgendwann, nach meiner geplanten Kehrtwende in Richtung Wahner Heide, kam mir der Weg jedoch seltsam vor. Irgendetwas stimmte nicht. Ich kannte das hier anders, auch wenn ich die Strecke sonst eher mit dem Mountainbike gefahren war. Hat das miese Licht und der Dauerregen meine vertraute Umgebung so verfremdet, dass ich sie nicht wiedererkenne – oder habe ich mich schlichtweg verlaufen? Trotzdem blieb ich stur, redete mir ein, dass schon alles passen würde und lief weiter brav durch den Regen in die vermeintlich richtige Richtung. Mit jeder Minute mehr Zweifel im Kopf und der immer gleichen Hoffnung, die Kamera doch noch irgendwie zum Leben zu erwecken.

Nach etwa einer Stunde wurde mir aber endgültig klar: Das hier war definitiv nicht der Weg, den ich kannte. Kurz darauf tauchte an einer Weggabelung eine kleine Holzhütte auf. Auch die sagte mir nichts. Jetzt war ich endgültig sicher: Ich habe mich solide verlaufen! Immerhin bot mir die Hütte kurz Schutz vor dem Regen. Einen Kaffee? Ich hatte alles im Rucksack um mir einen frischen aufzuschütten, aber komplett durchnässt und dreifach genervt hatte ich keine Lust den ganzen Kram auszupacken und begnügte mich mit einem Schluck Wasser. Viel zu spät entschied ich mich, doch mal aufs Handy zu schauen. Das Navi brachte schnell Klarheit: Ich war in der komplett falschen Richtung unterwegs. Nahe am Golfclub Lüderich, nord-östlich des Königsforst – also ziemlich genau in der entgegengesetzten Richtung meines Ziels „Wahner Heide“.

Bis dahin waren es plötzlich Luftlinie über zehn Kilometer. Ein falsches Abbiegen hatte gereicht. An einem guten Tag hätte ich das abgehakt. Vielleicht sogar darüber gelacht. Aber an diesem, komplett durchnässt, mit stromloser Kamera und endlosen Grau in Grau – da ging das nicht.

Ich hatte schlechte Laune. Und ja, für einen Moment habe ich den Wald tatsächlich gehasst. Ich machte mich neu auf den Weg. Diesmal mit Navi! Richtung Rösrath, Richtung Auto, Richtung Wahner Heide. Nach weiteren anderthalb Stunden war ich endlich da, wo ich hinwollte. Die Wahner Heide lässt mich im Sommer immer wieder an afrikanische Landschaften denken – auch wenn ich hier immer ein wenig hinzudichte. Das neue Problem war allerdings nun: Durch das ständige Navigieren war auch mein Handyakku fast leer. Fotografieren bei nur noch zehn Prozent Akkuladung? Ich kenne mein Handy:)

Am Ende blieben ein paar Belichtungen ehe der Monitor schwarz wurde. Und die Erkenntnis: Es sind oft genau die unplanbaren, unkontrollierbaren Tage, die man vergessen will, die aber trotzdem bleiben. Nicht wegen der Fotos. Sondern um an ihnen zu wachsen.🌧️🌲