Das Leben schlägt jeden Plan!

Mensch Marley, zuerst warst Du voll bei uns eingeplant. Und dann aber wieder doch nicht. Klingt komisch, aber ich erkäre es Dir:

Ein Haustier bedeutet Verantwortung. Du kostest ja nicht nur Geld, das wäre nicht so problematisch. Wir benötigen auch Zeit und Energie für Dich. Die muss einfach da sein, um Dir die Fürsorge und Liebe zu geben, die Du verdienst. Ausschlaggebend für die Entscheidung sich endlich nach Dir umzuschauen, war eigentlich ein unerfüllter Kinderwunsch und der Besuch Deines Frauchens bei ihrem Gynäkologen. Mit 40 nochmal schwanger werden ist nicht selbstverständlich. Also standen ein paar Untersuchungen und eine weitere Woche später das finales Gespräch mit dem Doc an. Dieser eröffnete uns dann: „Nun, nochmal Schwanger werden, das wird wohl nichts mehr.“ Wir sollten aber darüber „nicht so enttäuscht“ sein sondern lieber „einfach die Gesetze der Biologie respektieren.“ Ja dieser in unserem Umkreis als sehr gewissenhaft geltende Mediziner hatte uns in der Vergangenheit schon häufiger bewiesen, dass eine einfühlsame Kommunikation mit seinen Patientinnen nicht zu seinen Stärken gehört. Wir waren natürlich über die Kernbotschaft etwas geknickt, hatten aber gleich zwei Punkte, an denen wir uns wieder hochangelten:

  • Nur der Liebe Gott entscheidet, ob wir noch ein zweites Kind bekommen. Nicht ein Mensch in weißem Kittel.

  • Sollte es mit unserem Wunschkind nicht klappen, dann holen wir uns endlich einen Hund.

So war der Plan – und er klang doch eigentlich ziemlich vernüftig.

Marley, kurz nach seiner Ankunft in seinem neuen Zuhause
Da war er noch blitz-blank sauber. Sekunden später hat er sich in einer großen Schlammpfütze gewälzt:)

Unsere neue große Wohnung mit kleinem Garten, die vielen Spazierwege am Rheinufer, keine zwei Minuten von uns entfernt, wären wunderbare Vorausetzungen dafür. Nach zwei oder drei Monaten war es dann soweit. Dein Frauchen war immer noch nicht schwanger – der endgültige Startschuss zur Suche nach Dir war gefallen! Bei zwei Tierheimbesuchen in Köln trafen wir Dich noch nicht. Dann aber haben wir Dich endlich entdeckt – im Internet. 15 zuckersüße Fotos zeigten Dich und Deine sieben Wurfgeschwister. Ihr wart gerade mal sieben Wochen auf der Welt, lebtet in Papenburg, recht weit von Köln weg. Doch wenn die Vorfreude groß ist, wird jede Strecke kurz. Die Fahrt zu Dir, Deinen sieben Geschwistern und Züchterin Regina wurde zügig terminiert.  Eine knappe Woche davor kam Dein Frauchen dann aber Nachmittags nach Hause. Sie hatte einen weiteren Arzttermin. Stimmt, ihre Regel blieb ja aus. Das sollte gecheckt werden. Ergebnis:

Dein Frauchen war schwanger! In der vierten Woche. Wir freuten uns sehr, dennoch lag eine Schwere auf dieser – eigentlich wunderbaren – Nachricht. Wir fragten uns beide fast gleichzeitig: „Was machen wir jetzt? Ein Baby und einen Hund? Packen wir das überhaupt?“ Nicht zu vergessen, wir hatten ja auch noch unsere Tochter Sophia, damals zehn. Die Idee war ja ursprünglich entweder oder. Von beidem gleichzeitig war nie die Rede. Was uns letztendlich überzeugte zu Dir und Deinen Geschwistern nach Papenburg zu fahren, war dann aber Sophia. Wir brachten es, trotz großer Bedenken, einfach nicht übers Herz, ihr den versprochenen Hund auszureden, nur, weil sie nun doch plötzlich noch ein Schwesterchen bekommen sollte.

Sie hatte sich schon viel zu sehr auf Dich gefreut. Wie oft habe ich damals über diesen viel zu selbstsicheren Frauenarzt geschimpft. Der gute Mann hatte uns damals recht taktlos medizinischen Unsinn erzählt und uns damit spätestens jetzt in eine Zwickmühle gebracht. Gleichzeitig waren wir aber überglücklich und voller Vorfreude. Es war sureal.

Der Weg zu Dir.

Frühmorgens um sieben saßen wir, gespannt wie Flitzebögen, im Auto. Es ging zu dir und deinen Geschwistern. Nach knapp vier Stunden waren wir endlich am Ziel. In Papenburg angekommen, nahmen wir das hübsche, gepflegte norddeutsche Städtchen nur am Rande wahr – wir waren schließlich in ganz anderer Mission unterwegs.

Dann der Moment des Ankommens: Schon beim ersten Kontakt empfing uns Deine sehr sympathische Züchterin sehr offen, und freundlich. Sie hatte selbst zwei kleine Kinder, zwei große Goldies und – zumindest vorübergehend – acht kleine Minis zu versorgen. Dazu ein großes Haus und einen noch größeren Garten.

Dennoch bestärkte uns genau dieser erste Eindruck in unserem Vorhaben. Kinder und ein Hund, das geht!

Wir gingen alle in den Garten wo Du und Deine Geschwister schon auf uns warteten – und plötzlich war da einfach nur noch Bewegung, Leben, pures Chaos auf vielen kleinen Pfoten. Überall tapsige, goldene Fellknäuel, die neugierig durch die Gegend wuselten. Kleine, gerade mal neun Wochen alte Goldies.

Ein etwas abglegener Spazierweg in Köln, Dünnwald. Hier wird das geübt, was wir in der nahe gelegenen Hundeschule gelernt haben
Ein Moment, der alles entschied

Ihr zu Acht mit großen Pfoten, weichem Flauschfell und diesem typischen Welpenblick – wir waren hin und weg. Ihr stolpertet noch ein bisschen unbeholfen über eure eigenen Beine, kamt zwischendurch direkt auf uns zu, um zu Schnuppern oder zu Spielen. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte – Ihr wart alle unglaublich süß.

Wir setzten uns ins Gras, um euch noch besser kennenzulernen. Und nach ein paar Minuten, mitten in diesem wuseligen Durcheinander, passierte etwas überraschendes: Du kamst ganz langsam zu mir rüber, schnuppertest schüchten und etwas verunsichert an mir rum, um dich dann neben mich zu legen. Nach nur einer Minute wurde mein rechter Fuß zu deinem Kopfkissen – für Dich der optimale Platz um Dein Nickerchen zu halten. Deine sieben anderen Geschwister spielten weiter, tobten, liefen durcheinander – aber ich saß da, ganz still, wollte mich kaum noch bewegen, um Dich nicht beim Schlafen zu stören. Ich schaute zu Deinem Frauchen rüber und sagte leise:
„Schatz… tut mir leid, aber für mich ist die Entscheidung gefallen.“ Sie sah mich an, dann Dich an meinen Füßen, und musste lachen. „Ja… wenn ich das so sehe… dann ist sie für mich auch gefallen.“

Alle Goldies waren gleich süß, klar. Aber dass ausgerechnet Du kleiner Kerl sich so an mich rangemacht hast – ruhig, vertraut, als würdest Du mich schon kennen – das war’s einfach. Wir entschieden uns voller Überzeugung für Dich oder Du für uns, wie auch immer. Ach ja, du solltest „Marley“ heissen. Das hatten wir zuvor schon einstimmig im Familienrat beschlossen. Mein „Ja“ dazu beruhte weniger auf den Hund im gleichnamigen Film sondern vielmehr auf den berühmten Musiker aus Jamaica. Bob Marley war nunmal ultracool und seine Musik sowieso. Meine Hoffnung war einfach, dass du als Hund mindestens genauso entspannt und lässig durchs Leben gehst wie er mit seinen Reggae-Vibes. Wir tauschten uns noch intensiv mit Deiner lieben Züchterin aus, erledigten einiges an Papierkram, zahlten dann natürlich auch sehr gerne den für Dich vereinbarten Betrag und bereiteten die Rückbank unseres Wagens vor. Schon bald sollte es ab nach Köln in Dein neues Zuhause gehen.

Als Helena geboren wurde, warst du schon Familie.

Und ja, jeder Tag mit dir ist purer Spaß und pure Freude. Du bist für uns nicht einfach ein Hund, den wir uns in einer für uns verzwickten Situation dann doch zugelegt haben. Du gehörst, genau wie unsere Tochter Sophia und unser im November `23 geborenes Töchterchen Helena, zur Familie. Nur durch dich ist meine Wanderkondition innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches gestiegen. Wir gehen täglich unsere große Runde oder fahren für ein paar Stunden in den Wald. Wind und Wetter halten uns nicht davon ab, täglich raus in die Natur zu gehen.

Du bist ein außergewöhnlich lieber Hund. Du liebst nicht nur alle Menschen, sondern auch deine Artgenossen, mit denen du einfach immer nur spielen willst. Und wie findest du uns?

Wir geben dir jedenfalls alles, was wir dir geben können: Zeit, Energie, das allerbeste Futter und natürlich das Wichtigste – ganz, ganz viel Liebe 🙂

Der Frühling kommt in großen Schritten. Marley in seinem Lieblingspark, dem Schlosspark in Köln, Stammheim. Alle Fotos © Bernd Löber