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Köln, die Werft und wilde Zeiten

Das Foto oben zeigt die Köln Deutzer Werft. Für mich ein sehr bedeutsames Bild, denn ich habe gut zehn Jahre dort gewohnt. Mein Stiefvater war dort 20 Jahre lang Schiffsbauer – und wir hatten als „Großfamilie“ das Glück, dort super günstige Werkswohnungen mieten zu können. Rückblickend war das eine wilde, wunderschöne Zeit. Wir bewohnten ein Werftgebäude mit fünf Wohneinheiten. Miete damals (1987–1996): 200 DM! Wir hatten jede Menge Tiere – Hunde, Katzen, Papageien und sonstige Vögel. Den großen Gemeinschaftsgarten durften wir nutzen, wie wir wollten. Am Ende hatten wir einfach mal 15 Hühner. Ich war Fotografie- und Designstudent. Auf dem Gelände standen zwei leerstehende Nebengebäude, ehemalige Werkstätten. Einen Raum verwandelten mein Bruder und ich kurzerhand in ein ziemlich geniales Fotolabor. Der Raum daneben wurde zum Partyraum mit  Gastrotheke und fetter Soundanlage. An Sommertagen schmissen wir regelmäßig Grillpartys. Es kam nicht selten vor, dass ich am Wochenende für Uni-Abzüge im Labor arbeitete, während nebenan Funk, Soul und die Zapfhähne aufgedreht wurden. Es war chaotisch, laut, verrückt – und einfach großartig. Musik war bei uns immer ein riesiges Thema. Meine Mutter und ich sammelten Schallplatten – Funk, Soul, Jazz, später auch Hip Hop – alles rauf und runter. Einen Teil meines Studiums finanzierte ich mit DJ-Jobs. Hauptsächlich legte ich am Wochenende im damals angesagten GI-Club „Kauri-Jazz-Keller“ auf. Und ich sage es gerne und immer wieder: Im Kauri und auf der Werft lief die beste Mucke der Welt.

"Spitzendomblick", aufenommen im Sommer 25 von der Ebene 11 des Parkhauses Lanxess Arena. Foto © Bernd Löber
Warum ich immer wieder am Wasser lande

Seit über 30 Jahren gibt es da wohl ein Muster bei mir: Ich achte bei Wohnungen nicht zuerst auf Größe oder Ausstattung – sondern darauf, wie nah sie am Wasser sind. In Köln war das immer der Rhein. In Mülheim waren es zwei Gehminuten bis ans Wasser. Jetzt in Stammheim wohne ich nur noch einen Tennisballwurf vom Ufer entfernt. So brauche ich`s anscheinend.

Der Rhein ist für mich nicht einfach nur ein Fluss. Der Rhein macht was mit mir. Täglich gehe ich runter ans Wasser, setze mich hin, schaue einfach nur oder fotografiere und alles wird ruhiger. Gleichzeitig passiert aber immer was. Das Wasser fließt, Schiffe ziehen vorbei, das Licht ändert sich oft im Minutentakt – bewegte Ruhe die gut tut.

Und wo es uns in naher Zukunft auch immer hinverschlagen soll: unsere Recherche nach Orten in Europa laufen inzwischen fast automatisch: Wir schauen auf die Karte und suchen nach Wald, Wiesen und Wasser. Wald bringt uns runter, erdet und beruhigt uns. Wasser gibt uns Weite und Perspektive, nicht nur fotografisch. Mehr brauchen wir nicht. Vielleicht ist es am Ende gar nicht nur der Rhein selbst – sondern das Gefühl, das er mir seit all den Jahren gibt.
Ich bin ihm jedenfalls bis heute treu geblieben!

Schreib mir gerne

Wenn du bis hierhin gelesen hast: Respekt 😉. Und wenn du Lust hast, Kontakt aufzunehmen – ich freu mich drauf.

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